Ärzteseminar Osteopathische Medizin

in der DAOM - Deutsche Akademie für Osteopathische Medizin e.V.

Ablauf der Osteopathie-Ausbildung


Die Ausbildung richtet sich an approbierte Ärztinnen und Ärzte (Humanmedizin)*.
Die Ausbildung dauert vier Jahre und umfasst 780 Stunden. Insgesamt finden 28 Wochenendkurse statt, jeweils ganztägig Freitag bis Sonntag. Ergänzend zu den Präsenzzeiten gibt es Eigenlernanteile zur anatomischen, physiologischen und embryologischen Unterrichtsvorbereitung. Für alle Kurse werden CME-Punkte bei der zuständigen Ärztekammer beantragt.

Erst nach der Teilnahme an allen obligatorischen Unterrichtseinheiten erfolgt die Zulassung zur Abschlussprüfung. Nach Ihrer erfolgreichen Prüfung können Sie das europaweit anerkannte Diplom für Osteopathische Medizin des European Register for Osteopathic Physicans (EROP) erweben. Das Ausbildungskonzept des EROP findet auch Anerkennung in den internationalen osteopathischen Gesellschaften OIA und WOHO. Außerdem können Sie sich in unserer Therapeutenliste führen lassen.

* Zahnärztinnen und -ärzte erhalten nach erfolgreichem Ausbildungsabschluss ein Zertifikat unserer Schule, können jedoch nicht das EROP-Diplom erwerben.

 

Die Ausbildung umfasst folgende Lehrinhalte:

  • Myofasziale Release-Techniken (Faszientechniken)
  • Muskelenergie-Techniken
  • Strain- und CounterStrain-Techniken
  • Craniosacrale Verfahren
  • Viszerale Manipulation
  • Mobilisation/Manipulation
  • Geschichte und Philosophie der Osteopathie
  • Integration



Lehrinhalte und Verfahren


Myofasziale Release-Techniken (Faszienkurse)

Es werden Konzepte und Terminologien der „Myofaszialen Entspannung“ von Robert Ward sowie fortgeschrittene osteopathische Release-Verfahren von William Sutherland und Rollin Becker unterrichtet. Myofasziale Release-Techniken richten sich an die Dysfunktion von aktiven und passiven Komponenten des muskulo-skelettalen Systems, neuroreflektorisch an neuromuskuläre und viskoelastisch an bindegewebige Strukturen. Pathologische Spannungsmuster der Faszien, bedingt durch akute, traumatische oder chronische Einflüsse, stören die ausgeglichene Integrität dieses komplexen Systems und sind damit auslösende und/oder chronifizierende Faktoren unterschiedlicher Fehlfunktionen und Erkrankungen nicht nur des Bewegungsapparates, sondern auch vieler Organe und Organsysteme.

Das Konzept bezieht sich auf direkte und indirekte „Unwinding“-Techniken, ausgeglichene Membranspannung (Balanced Membranous Tension), Disengagement, Verstärkung (Exaggeration), Listening- und Inhibitions-Techniken, Flüssigkeitstechniken u. a. Hieraus ergibt sich der Ansatz verschiedenster Techniken, welche die Integrität der dem Körper innewohnenden Bewegungen und Kräfte sowie deren Veränderungen berücksichtigen. Es werden komplexe fasziale Zusammenhänge, auf- und absteigende Faszienketten und Spannungsmuster, kraniofasziale und viszerofasziale Verbindungen sowie das Konzept der queren Körperdiaphragmen dargestellt. Dies bedeutet die Integration der faszialen und myofaszialen Diagnostik und Behandlung im osteopathischen Ganzheitskonzept. Ziel der Behandlung ist die Aufhebung oder Verbesserung der Auswirkungen, die ein akut oder chronisch durchlebter Krankheitsprozess mit Beeinflussung der Faszienebenen unterschiedlicher Körperregionen verursacht hat.

  • Faszienkurs 1: Grundkurs, superfiziale Faszien
  • Faszienkurs 2: Tiefe Fasziensysteme, artikuläre und ligamentäre Bindegewebe
  • Faszienkurs 3: Listening-Techniken, komplexe Zusammenhänge der Faszienketten und Querebenen des Körpers
  • Faszienkurs 4: Gelenkspezifische Release-Techniken
  • Faszienkurs 5: Faszienverbindungen der viszeralen Organe mit ihren Aufhängungen und den parietalen Verbindungen

Lehrbücher:

  • Frans van den Berg: Angewandte Physiologie, Bd. 1: Das Bindegewebe des Bewegungsapparates verstehen und beeinflussen, Thieme Verlag Stuttgart
  • Serge Paoletti: Faszien. Anatomie, Strukturen, Techniken, Spezielle Osteopathie, Urban & Fischer München/Jena
  • PROMETHEUS - Lernatlas der Anatomie: Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem, Thieme Verlag Stuttgart
  • SOBOTTA - Atlas der Anatomie des Menschen als CD-ROM, Urban & Fischer München/Jena

Muskelenergie-Techniken (MET)

Behandlung aller segmentalen und artikulären Funktionsstörungen des Beckens, der Wirbelsäule und der Extremitätengelenke mit muskulären, aktiven Techniken nach dem Konzept von Fred L. Mitchell sr., Fred L. Mitchell jr. und Philip E. Greenman.

Vermittlung von osteopathischen Prinzipien in Diagnostik und Therapie, Erarbeiten der speziellen Pathophysiologie und Biomechanik, Entwicklung der palpatorischen Befunderhebung, Aufbau der positionellen Diagnose.

Entwicklung aller Fertigkeiten zur osteopathischen Diagnose und zur „Muskelenergie-Mobilisation“ in jeder Körperregion: Beckenring- und Sakrumdysfunktionen, Nutations- und Gegennutationsläsionen, Sakrumtorsionen, segmentale Biomechanik der Wirbelkörper, Fryette‘sche Gesetze, Typ-1- und Typ-2-Bewegung, lumbale und thorakale Typ-1- und Typ-2-Dysfunktionen, Bewegungsmechanik der Rippen, respiratorische und strukturelle Rippendysfunktionen, Funktionsstörungen der HWS-Segmente und der Kopfgelenke.

Anatomie und Biomechanik des Kiefergelenkes, artikuläre und funktionelle Dysfunktionen, Behandlung von funktionellen Okklusionsstörungen mit Muskelenergie-Techniken.

  • Kurs MET 1: Extremitätengelenke
  • Kurs MET 2: Beckenring, Sakrum, LWS
  • Kurs MET 3: BWS, Rippen, HWS
  • Kurs MET 4: Kiefergelenk, Rippen, MET-Integration, evtl. Wissensüberprüfung

Lehrbücher:

  • Fred L. Mitchell jr., P. Kai G. Mitchell: Handbuch der Muskelenergie-Techniken (3 Bde.), Hippokrates Verlag Stuttgart
  • Philip E. Greenman: Lehrbuch der osteopathischen Medizin, Haug-Verlag Heidelberg

Strain- und CounterStrain-Techniken

Dieses Verfahren, das in die MET-Kurse integriert ist, bezieht sich auf die Diagnostik und Therapie des Tenderpoint-Konzepts mit osteopathischen manuellen Techniken, die von Lawrence Jones in den 1950er- bis 1970er-Jahren entwickelt wurden und für alle segmentalen, artikulären und neuromuskulären Dysfunktionen anzuwenden sind.

Tenderpoints sind Symptome der somatischen Dysfunktion (S.D.); die Kenntnis dieser vervollständigt die funktionelle Evaluierung der somatischen Dysfunktion. Das Prinzip der CounterStrain-Behandlung ist die Positionierung der betroffenen Struktur (Gelenk, Wirbel, Ligament u. a.) dreidimensional im Bereich des aktuellen Neutralpunktes, was anhand des Nachlassens der palpatorischen Dolenz des Tenderpoints kontrolliert wird. Die schmerzbefreiende Position wird für 90 Sek. beibehalten. Die erfolgenden Release-Vorgänge führen zur neuromuskulären Reorganisation und Reprogrammierung und damit zur Beseitigung der verursachenden somatischen Dysfunktion. Das schmerzfreie Ausbalancieren und damit Therapieren auf neurophysiologischer Ebene ist ein elegantes Verfahren, das einfach zu erlernen und zu praktizieren ist und das vom Patienten sehr gut vertragen wird. Es gibt praktisch keine Kontraindikation.

Lehrbücher:

  • Lawrence H. Jones: Strain-Counterstrain. Osteopathische Behandlung der Tenderpoints, Urban & Fischer München/Jena
  • Max Girardin, Jean-Paul Höppner: Osteopathie im neurophysiologischen Bereich, Hippokrates Verlag Stuttgart

Craniosacrale Verfahren

Dieses maßgeblich von dem amerikanischen Osteopathen William Garner Sutherland erarbeitete Konzept betrachtet die engen Zusammenhänge des Craniums und der unwillkürlichen Bewegung des Sacrums. Die differenzierte Anatomie und Bewegungsmöglichkeit der einzelnen Schädelknochen sowie deren Bedeutung im Gesamtmechanismus in Physiologie und Pathologie werden in den verschiedenen Ebenen (ossär, membranös, fluide) behandelt und als ein Teil der Autoregulation/Eigenheilung des menschlichen Systems (Soma und Psyche) integriert.

  • Kurs Cranio 1: Neurocranium 1 (Gehirnschädel)
  • Kurs Cranio 2: Neurocranium 2 (Gehirnschädel, Schädelbasis)
  • Kurs Cranio 3: Viscerocranium (Gesichtsschädel)
  • Kurs Cranio 4: Vertiefung, Integration, evtl. Wissensüberprüfung
  • Kurs Cranio 5: Fluida, Mittellinientechniken u. a.

Lehrbücher:

  • Harold Magoun: Osteopathie in der Schädelsphäre, Editions Spirales (Deutsche Übersetzung)
  • PROMETHEUS - Lernatlas der Anatomie: Kopf und Neuroanatomie, Thieme Verlag Stuttgart

Viszerale Manipulation (VM) nach Jean-Pierre Barral

Die osteopathische Behandlung der Bindegewebe umfasst nicht nur den somatisch-parietalen Bereich. Funktionsstörungen beeinflussen auch die viszeralen Faszien und damit die Organe im abdominalen oder thorakalen Raum bzw. nehmen von dort ihren Ausgang. Sekundäre Dysfunktionen im muskuloskelettalen System können oft die Folge von Organstörungen sein und müssen somit auch mit einem viszeralen Ansatz behandelt werden.

Die viszerale Osteopathie existiert seit den Anfängen der Osteopathie. Andrew Taylor Still und alle frühen Osteopathen behandelten viszeral. Sie alle gaben an, dass die primäre Dysfunktion oft in den Viszera liege. Wichtig war ihnen bei der Behandlung, dass die versorgenden Nerven und Gefäße der Organe frei gemacht wurden, so dass ein ungehinderter Fluss von Informationen und Ernährung ebenso wie ein freier Abfluss gewährleistet war. In zweiter Linie ging es ihnen um die freie Beweglichkeit der Organe, so dass sie an ihrem angestammten Platz ohne Spannung zu den Nachbarorganen ihre Arbeit verrichten können. Dieses Wissen wurde insbesondere von Jean Pierre Barral aufgefrischt und vertieft. An unserer Schule wurde es über lange Jahre von Ken Lossing D.O., einem Schüler Barrals, weitergegeben; er leitet auch weiterhin viszerale Masterkurse an unserer Schule.

Die viszerale Ausbildung umfasst den Standard diagnostischer und therapeutischer Techniken in gastrointestinalen, urogenitalen und kardio-pulmonalen Systemen. Ebenso erfolgt eine Vertiefung und Ergänzung zu den bisherigen Techniken sowie die Integration der viszeralen mit den parietalen Behandlungsmaßnahmen.

  • Kurs VM 1: Grundprinzipien viszeraler Technik, Oesophagus, Magen, Leber, Gallenblase
  • Kurs VM 2: Grundtechniken Dünndarm, Dickdarm, Pankreas, Milz
  • Kurs VM 3: Grundtechniken Niere, Blase, kleine Beckenorgane
  • Kurs VM 4: Grundtechniken Thorax (kardiopulmonal)
  • Kurs VM 5: Review, Ergänzung, Vertiefung, Integration, evtl. Wissensüberprüfung

    Lehrbücher:
    Jean-Pierre Barral: Lehrbuch der viszeralen Osteopathie (2 Bde.), Elsevier Verlag

Mobilisation und Manipulation mit Impulstechniken

In diesen Kursen werden passive Techniken mit Mobilisation und Impulsmanipulation an der Wirbelsäule sowie an den Extremitätengelenken gelehrt.
 Der Inhalt baut auf die diagnostischen Verfahren der MET-Kurse 1–3 und die hier gelehrten therapeutischen Handgriffe auf. Integration der passiven Techniken mit anderen parietalen Behandlungsverfahren und Funktionsketten.



  • Kurs 1: Mob./Man. Extremitäten
  • Kurs 2: Mob./Man. Wirbelsäule

Geschichte und Philosophie der Osteopathie

In diesem Kurs erfahren Sie, unter welchen historischen und sozialen Bedingungen die osteopathischen Ideen entstanden und wie sie bis heute weiterentwickelt wurden und werden.

Woher die Osteopathie kommt - Die Gründerväter Still, Littlejohn und Sutherland - Klassische Osteopathie: eine eigenständige Medizinphilosophie - Salutogenese pur! - Klinischer Bezug - Die Geschichte wiederholt sich - Quo vadis Osteopathie?


Integration

In diesen teils klinischen Kursen lernen Sie, wie Sie durch Screening-Untersuchungen zu einer osteopathischen Diagnose und Behandlungsstrategie gelangen. Patientinnen und Patienten mit unterschiedlichen Krankheitsbildern werden unter Supervision von Ihnen untersucht und behandelt.


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